Noten

FEDERLEICHT & SCHWERER (Auszüge aus Rezensionen in Gitarre aktuell)

Peter Hackel: Im Zauberwald © 2016 [Schell Music 11111]

Sammlung: La Guitarra Andaluza (K. Metreveli) © 2016 [Schell Music 11118

Trad.: La Bamba für 4 Gitarren (F. Schell) © 2016 [Schell Music 11111]

Guido Haefele: Guitar Navigation System © 2016 [Alfred Music 20257G]

Die „18 kleinen Stücke“, die Peter Hackel in dem 15 Notenseiten umfassenden schmalen Heft mit dem Titel »im Zauberwald« entworfen hat, sind kurze illustrierende Kompositionen für den Gitarrenanfänger (durchaus mit Kenntnissen im mehrstimmigen Spiel!). Der Autor hat den Notensatz, der sehr klar und übersichtlich ist, bewusst einstimmig dargestellt, um die Lesbarkeit zu erleichtern.
Diese in früheren Jahrhunderten praktizierte Schreibweise der horizontalen Fortbewegung bildet zwar keine Mehrstimmigkeit und somit auch keine differenzierten Stimmverläufe ab, hilft aber gerade jungen oder unerfahrenen Spielern, den verschachtelten Aufbau von einer Notendarstellung gemäß realem Klang (oder jedenfalls annähernd) zu umgehen. Die Spielart auf der Gitarre, die meist latent vorhandene Mischklängen produziert (was bei fortgeschrittener Spielweise eher lästig ist und die Extraarbeit der Dämpfung verlangt), begünstigt sowieso die Klangcharakteristik des Instruments.

Mit dem 51 Seiten umfassenden Heft »La Guitarra Andaluza« hat der in Münster lebende und lehrende Gitarrenpädagoge Kacha Metreveli ein praktisches und gleichzeitig motivierendes Notenheft geschaffen, das sich mit 19 Stücken ganz dem spanischen Musikkolorit widmet. Hauptsächlich handelt es ich um Eigenkompositionen des Autors, der sich deutlich an flamencistischem oder iberisch-folkloristischem Musikgut orientiert, was er betont durch die Präsentation entsprechender Tänze, aber auch durch Titelbezüge unterstreicht.
»Andresito Vals« oder »Francisco Vals« sind - für den Insider erkennbar - wohl Andrés Segovia und Francisco Tárrega gewidmet, selbstverständlich sprechen »Homenaje a Paco de Lucía« oder »Homenaje a Carlos Montoya« ja sowieso für sich. Schön, dass Metreveli den großen Bogen des klassischen Flamencospielers (Montoya) zum modernen Crossover (de Lucía) spannt und damit auf wesentliche Strömungen des Flamencos verweist. .

Als „old school“ könnte man den Hit bezeichnen, den Felix Schell nun in einem Arrangement für vier Gitarren vorlegt. Das Traditional »La Bamba« war nicht nur an vielen Lagerfeuern als rhythmische lateinamerikanische Stimulanz zu Haus, es tauchte auch auf Partys auf zum Mitschwofen oder wurde gecovered von zahlreichen Popmusikern wie etwa Trini Lopez, Neil Diamond oder auch vom „Party-Löwen“ James Last. Das Lied mit wahrscheinlich mexikanischem Ursprung errang bei Gitarristen einen hohen Stellenwert, da man eine kräftige Shout-Melodie mit drei simplen Akkorden begleiten kann. Eine Domäne für die Gitarre und leider immer wieder ein Trugschluss, dass dies zum Gitarrespielen durchaus ausreicht.
Als seriöser Arrangeur macht Schell mit seiner Arbeit gar nicht erst den Versuch, sich nur auf die Einfachheit zu beschränken. Zwar werden am Schluss der Einzelstimmen mit drei Notenzeilen inklusive Schlagrhythmen drei Versionen der Akkordfolge gezeigt, wovon zwei mit Kapodaster und ohne Barrée-Griff angeboten werden und der dritte quasi die Basis in C-Dur mit leeren Saiten und dem leider leidigen F-Dur-Barrée-Griff bildet, jedoch ist die übrige Darstellung (Partitur) etwas für Notenspieler.    

Wer opulente, großformatige Gitarrenbücher liebt, kommt an dem „XXL-Guide zu Skalen & Modi, Arpeggien, Voicings und harmonische Skalen“ von Guido Haefele mit dem offenkundigen Titel »Guitar Navigation System« nicht vorbei. Aber halt! Geht es nicht zunächst um Inhalt, Didaktik, Aufbau eines Lehrwerks und nicht um eine hohe Seitenzahl? Umfangreiche Abhandlungen über Musiktheorie schüchtern den an diesen Themen Interessierten zuweilen ein, bevor dann Praktikabilität, Nützlichkeit und Kern der Methode erkannt werden. .
Haefele hält sich nicht lange mit einer Vorrede zu seiner Arbeit auf, sondern bringt stattdessen in der Einleitung („Intro“) bereits Terminologien und Erklärungen, die als Grundlage zum Umgang mit dem Buch erforderlich sind. Das schaut zunächst sehr theoretisch-technisch aus, so dass einem Laien oder Einsteiger der Zugang nicht ganz leicht gemacht wird. Aber man kann es auch als notwendigen Umgang mit der Materie sehen, denn oft schauen zwar sich anbiedernde Darstellungen auf dem Papier etwas freundlicher aus, entbehren dann letztendlich doch einer fundierten Methode oder halten dafür keinen Schlüssel bereit.

Die kompletten Rezensionen sind nachzulesen in den nächsten Ausgaben Gitarre aktuell

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