Veranstaltungen in der gfh

Ungedrosselt
Das Duo Sabiar in der gfh

Das Duo Sabiar stellte sich mit einem erweiterten Programm - es hatte im letzten Sommer bereits eine Kostprobe gegeben - in der gitarre-foundation hamburg (gfh) mit Corona-bedingter reduzierter Zuhörerschaft vor.
Die beiden aus Brasilien stammenden Künstler Ana Carolina Coutinho (Sopran) und Pablo Villafuerte (Gitarre) spielten im Konzert am 22.8.2020 in der gfh den gesamten Zyklus Op. 39 »Sei Cavatine« von Giuliani, d.s. sechs Vertonungen italienischer Gedichte, die den Komponisten als Meister eines galanten Stils ausweisen. Anas charmanter Auftritt mit ungekünstelter Pointierung, klarer und eindrücklicher Stimme, sprach den Hörern - wenn sie denn die italienischen Texte verstanden hatten - aus der Seele.
Als Solist ist Pablo ebenso musikalisch wie als einfühlsamer Begleiter der Lieder, die, wie er sagte, ja relativ einfach wären. Tárregas »Capricho àrabe« stand auf dem Programm und das später im Programm folgende Solostück »Remembrace« von Sergio Assad.
Ana glitt in ein anderes Sujet, das etliche Meilen vom Giuliani entfernt ist. Der Zyklus »Songs from the Chinese« des Engländers Benjamin Britten scheint wie aus vergangenen Welten wieder entdeckt worden zu sein und verlangte den Interpreten sowohl Musikalisches als auch zu jener Zeit technisch Ungewohntes ab.
Durch den kleinen Programmtausch kam Schuberts berühmtes und sehnsuchtsschweres »Ständchen« nach vorn, das - ein Novum - Ana mit portugiesischem Text vortrug.
Wenn nicht bis hier das einnehmende Duo sein Publikum verzückt hatte, dann doch mit dem letzten Stück des Programms: dem kantablen Lied aus Heitor Villa-Lobos’ »Bachianas Brasileiras« n. 5 (Cantilena, Adagio), einer Arie für original Sopran und acht Celli, hier in einer klanglich perfekten Gitarrenbegleitung des Komponisten selbst plus Gesang. Die knapp fünfminütige „Cantilena“ ist ein wahres Schmuckstück an eindringlicher Melodie und rhythmisch reichen und harmonisch vielfältigen Akkorden. Eine Idealnummer für die beiden Brasilianer, die sich musikalisch sichtlich zuhause fühlten. < [PeM] <<<
Extrakt bzw. verkürzte Version aus Gitarre aktuell Nr. 141-II/20

Stoffliches
Die Künstlerin Luitgard Geisler zeigte in der gfh ihre textilen Bilder

Es ist nicht ungewöhnlich, sondern gewollt, dass in den Stiftungsräumen der gitarre-foundation hamburg (gfh) zuweilen auch andere Veranstaltungen als Hauskonzerte mit Gitarre stattfinden.
Auch in diesem Sommer gab es aus dem Kunstbereich etwas Ungewöhnliches, das an der Peripherie der Bildnerischen Gestaltung liegt, crossover, wenn man so will: Gemälde aus Stoff, die von der Künstlerin Luitgard Geisler selbst als „Textile Bilder“ kategorisiert werden.
Ob es die »Eröffnung« (der Elbphilharmonie) ist oder der Blick aus der Vogelperspektive auf die Nordseeinsel »Föhr« (Foto) - die Künstlerin hat mit der ihr eigenen Fantasie eine Bilderwelt erschaffen von ganz besonderem Charme.
Ihrer aktuelle künstlerische Arbeit hat in etwa folgenden Verlauf: Nach der Gestaltungsidee zu einem Thema folgt der Entwurf zur grafischen Umsetzung. Aus einem großen Fundus von über Jahre gesammelten Stoffen werden Bildeffekte aus den verschiedenen Stoffqualitäten  - über Baumwolle bis zu Seide - erzielt und zu einer grafischen Einheit nach der Vorstellung der Künstlerin zusammengenäht. Das fertige Bild wird auf Keilrahmen gezogen.
Die Ausstellung ihrer derzeit verfügbaren Exponate zeigte Luitgard Geisler vom 1. bis 16. August 2020 in der gfh. Am ersten Tag wurde die obligatorische Vernissage mit - Corona-bedingt - einem guten Dutzend geladener Gäste „auf Abstand“ zelebriert.
Aus Vorhandenem Neues zu schaffen, ist neben der hoch aktuellen Recycling-Idee auch in der Kunst en vogue. Selbstverständlich sind die Bilder auch käuflich zu erwerben, aber sie sind nicht allenthalben überall anzusehen. < [PeM] >
Extrakt bzw. verkürzte Version aus Gitarre aktuell Nr. 141-II/20

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