250 Jahre Ferdinando Carulli
geb. 10.02.1770 in Neapel · gest. 17.02.1841 in Paris
Mag sein, dass der Geburtstag des Neapolitaners Ferdinando Carulli auch für Gitarristen etwas im Schatten des Beethoven-Jahres 2020 steht. Mit seinen Kenntnissen als Cello-Spieler, seinem zuerst erlernten Instrument, hätte Carulli die Gunst des Maestros Beethoven vielleicht noch erlangen können. Dass er sich (Carulli) bald jedoch an die Gitarre "verlor" und sich mit zwanzig Jahren das Gitarrenspiel selbst beibrachte, wird ihm den Zugang zur "großen Musik" nicht gerade leicht gemacht haben.
Indes konnte er aus der Not, dass in Neapel kein Gitarrenlehrer zur Verfügung stand, eine Tugend machen, indem er eine eigene Spieltechnik entwickelte. Diese Laufbahn ist auch für nachfolgende Generationen häufig eher die Regel als die Ausnahme (gewesen). Carulli studierte aber auch Musiktheorie, wodurch er eine fundierte Basis erhielt. Aufgrund seiner technisch erlangten Fertigkeiten gab er bald Konzerte in Italien und Frankreich, bis er über Mailand nach Paris kam und dort blieb (1808).
Seine ersten Veröffentlichungen mit Werken für Gitarre erschienen dem Vernehmen nach noch bei Ricordi in Mailand um 1807 herum. Carulli und Beethoven waren zu der Zeit beide 37 Jahre alt. Wenn man die Zahlen und Aufstellungen von Werkkatalogen als richtig voraussetzt, hat Carulli gezählte 368 Opera in seinem gesamten Werkverzeichnis: von 1807 (die früheste Komposition später als Op. 95 katalogisiert) bis 1836 (das letzte Werk als Op. 3665). Obwohl dieses Volumen beeindruckend ist, nimmt es sich dennoch neben dem Beethovens als eher schmal aus. Und das sollte zunächst einmal ohne Wertung verstanden werden. Anhand der Daten kann man feststellen, dass Carulli relativ spät zu komponieren begonnen hatte. Beethoven hingegen hatte Im Jahre 1809 bereits sein letztes Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur Op. 73 beendet und damit schon fast die Hälfte seines enormen Schaffens abgeschlossen. Die Dimensionen, die sich anhand dieser Betrachtung zwischen dem Klavier- und dem Gitarrenkomponisten auftun, sind eigentlich die, die die Gitarre zeitlebens als Bürde durch die Jahrzehnte zu tragen hat(te): ein Instrument, das im Musikbetrieb eine individuelle, gleichwohl einmalige Rolle spielt, aber immer um eine gefühlte Anerkennung der Musiker und Orchester der Sinfonik rang. Kann man es nicht dabei belassen?

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Gitarre aktuell 140-I/20 S.21-25 zurück